
Klimawandel – wie geht es unserem Wald in Troisdorf und Siegburg?
Die CDU hat mit einer „Aktionswoche Wald“ auf die Bedeutung des Waldes Klimaschützer, Wirtschaftsfaktor, Ökosystem, Naherholungsraum sowie als wichtiger Bestandteil unserer Landeskultur aufmerksam machen wollen. Katharina Gebauer, für Siegburg, Troisdorf und Niederkassel verantwortliche Landtagsabgeordnete, erkundigte sich bei Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft im Landesbetrieb Wald und Holz NRW nach der Situation in den Wäldern von Troisdorf und Siegburg. Das Regionalforstamt ist zuständig für insgesamt 62.000 Hektar Wald in der Region, davon 640 Hektar Wald in der Kreisstadt und 1772 Hektar Wald in Troisdorf.
Herr Schölmerich, wir sehen, dass der Wald auch in unserer Region leidet – Windbruch, trockene Fichten, frühzeitiger Abwurf von Blättern. Was ist die Ursache dafür?
Der Klimawandel bringt unseren Wald in Stress. Wir haben mildere und feuchtere Winter, mehr Stürme und Gewitter und seit Jahren trockene und heiße Sommer mit Temperatur-Extremen über 40 Grad Celsius. Vor allem Fichtenbestände aus den Nachkriegsaufforstungen leiden besonders. Sie haben nur flache Wurzeln und geraten unter Trockenstress. Das begünstigt die Ausbreitung des Borkenkäfers. In den letzten drei Jahren sind hier in den tieferen Lage sicher 80 Prozent der Fichten abgestorben.
Noch deutlicher, als bei der hier ja nicht heimischen Fichte zeigt sich das bei älteren Buchen, die für unsere Gegend neben den Eichenwäldern typisch sind. Viele Bäume über 100 Jahren sind im oberen Kronenteil oder ganz abgestorben.
Wie werden sich unsere Wälder verändern?
Wir setzen erst mal auf Naturverjüngung, die aber nur artenreich und gemischt ankommt, wenn der Wildbestand nicht zu hoch ist. Da haben die Jäger eine ganz entscheidende Rolle bei der Wiederbewaldung. Dazu pflanzen beziehungsweise säen wir klimatolerante Bäume – zum Beispiel die Esskastanie, die auch in mediterranen Regionen gut gedeiht. Im Bereich der Nadelbäume ist das Angebot nicht besonders groß: Tanne, Kiefer oder auch Douglasie außerhalb von Schutzgebieten sind da möglich – aber immer in Mischung.
Generell setzen wir in NRW bereits seit rund drei Jahrzehnten auf Mischwälder und sind daher in unserer Region schon ganz gut gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet. Mischwälder sind widerstandsfähiger gegen den Borkenkäfer und andere Insektenkalamitäten sowie gegen Extrem-Wetterlagen mit langen heißen Trockenphasen sowie Stürmen und Gewittern, die uns der Klima-Wandel bringt. Der Baumbestand wird zudem altersgemischt sein. Das ist anders, als wir das von gleichzeitig gepflanzten Fichten-Monokulturen kennen. Wenn ältere und höhere Bäume bei einem Sturm umgeworfen werden sollten, gibt es dann kleinere Nachfolger, die die Lücken im Wald schließen können.
Waldbesitzer brauchen auch Nadelbäume, um ihre wirtschaftlichen Verluste durch das Verschwinden der Fichte auszugleichen. Sie sind aktuell von Preisstürzen beim Verkauf von Fichtenholz stark getroffen. Wald ist neben seiner ökologischen Bedeutung eben auch ein Wirtschaftsfaktor, von dem Menschen leben. In Zukunft werden Laubhölzer bei uns sehr viel stärker den Holzmarkt bestimmen. Inzwischen sind fast alle Forstbetriebe nach PEFC oder FSC zertifiziert, sodass Sie das Holz aus NRW mit gutem Gewissen kaufen können und gleichzeitig noch einen Beitrag gegen illegale Holznutzung in anderen Regionen der Welt leisten können.
Diese Veränderungen sind in den letzten Jahren auch rund um Troisdorf und Siegburg sichtbar geworden. Das Fichtensterben gibt hier einen mächtigen Schub, leider vielfach über größere Flächen, die wir sonst nicht kennen. Erfreulicherweise ist der Fichtenanteil nicht so hoch. Eine vorausschauende Planung der Wiederbewaldung nach dem Waldbaukonzept des Landes NRW (www.waldinfo.nrw.de) wird sich bemühen, möglichst viele Effekte des Klimawandels zu berücksichtigen. Waldwirtschaft wird sich verändern. Bereits jetzt haben wir wesentlich schonendere Erntetechniken. Es wird in den künftigen Mischwäldern mit Bäumen verschiedenen Alters keine flächendeckenden Kahlschläge mehr geben. Das wird auch für ein naturnäheres Walderlebnis beim Wandern und Spazieren im Wald sorgen.
In Zeiten des Corona-Lockdowns suchen viele Menschen auch rund um Troisdorf und Siegburg Erholung im Wald. Können Sie uns einige Verhaltensregeln nennen, wir sie dies möglichst waldschonend tun können?
Als erstes: AHA-Regeln auch im Wald einhalten! Zum anderen generell Rücksicht nehmen auf den Wald, die anderen Besucher und die Waldbesitzer, die gerade Arbeiten ausführen lassen.
Die Hauptkonflikte ergeben sich zwischen Fahrradfahrern und den übrigen Waldnutzern – hier appelliere ich nochmal daran, einerseits grundsätzlich mit dem Fahrrad auf den Wegen zu bleiben, die Geschwindigkeit an die Situation anzupassen, andererseits an die Hundebesitzer, die Hunde entsprechend rechtzeitig unter Kontrolle zu bringen.
Im Wald gilt von März bis Oktober Rauchverbot! Natürlich ist zur Vermeidung von Waldbränden auch Feuermachen und Grillen in Waldesnähe (100 Meter) verboten.
Unternehmen, die im Wald arbeiten, klagen oft über Unverständnis und Rücksichtslosigkeit der Waldbesucher. Daher sollte man Waldarbeiten oder die Ausübung der Jagd nicht als überflüssige Störung ansehen, sondern als für die Waldfunktionen wichtige Arbeit und Sperrungen, die der eigenen Sicherheit dienen, respektieren.
Einen Waldknigge finden Sie auch auf unserer Internetseite.
Webseite des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft
Uwe Schölmerich – zur Person
Forstdirektor Uwe Schölmerich studierte Forstwissenschaften an der Universität Freiburg. Seit 2007 leitet er das auch für Troisdorf und Siegburg zuständige Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Er ist zudem Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft – Landesgruppe NRW. An der Universität Bonn hat er einen Lehrauftrag im Fach „Waldbau und Forstwirtschaft“.
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